Wann werden Tweets oder YouTube-Clips „historisch“?

In der Geschichtswissenschaft wird oftmals argumentiert, dass ein gewisser zeitlicher Abstand und Zugang zu unter Verschluss gehaltenen Dokumenten dafür notwendig sind, damit ein Ereignis „reif“ genug für eine historische Untersuchung ist. Diese Vorstellung einer gewissen „Wartezeit“ bestimmte lange die Historizität von Ereignissen oder Themen. Das Aufkommen des Internets und der sozialen Medien ermöglichen den direkten Zugang zu einer Fülle an Daten, insbesondere im privaten Bereich. Dies stellt die Idee davon, was als historisch betrachtet werden kann, infrage. In dieser Aufgabe werden Sie sich mit verschiedenen Meinungen über die Rolle der sozialen Medien in der Geschichte, und der Frage, ob sie als historische Quellen angesehen werden können, auseinandersetzen.

social media interactivity interactivity

Bildnachweis: Linaria Comunicación, Giphy; INTO ACTION, Giphy; Flamingo Services, Giphy.

1.a Welche Ausdrucksformen in den sozialen Medien können als “historisch relevant” betrachtet werden? | 20 Min.

Halten Sie diese Nachrichten, Beiträge, Fotos oder Webseiten für historisch bedeutsam, oder nicht? Begründen Sie Ihre Antworten und untermauern Sie diese durch eine Internetrecherche über den Inhalt und/oder die AutorInnen der Inhalte.

Ein Tweet (Live-URL hier)

tweetbinladen

Ein Gif

firstfilm

Eine Facebook-Gruppe

facebook

Ein Instagram-Konto

pink

Eine Wikipedia-Seite

wiki

1.b Von HistorikerInnen vorgebrachte Argumente | 30 Min.

Nachdem wir uns überlegt haben, wann etwas als historisch zu betrachten ist, und wann nicht, wollen wir uns nun mit Meinungen von HistorikerInnen zu dieser Thematik auseinandersetzen.

Option 1

Lesen Sie die folgenden zwei von HistorikerInnen verfassten Blogbeiträge. Notieren Sie anschließend die Argumente der AutorInnen zur Frage, was als Teil der Vergangenheit gesehen werden kann:

  1. Suzannah Lipscomb, „How recent is History?“, History Today, 29. Januar 2015 (Englisch, 770 Wörter). Ausgewähltes Zitat: „Historians of the page might want to learn from those of the screen.“

  2. Ian Milligan, „Historians’ archival research looks quite different in the digital age“, The Conversation, 19. August 2019 (Englisch, 1’100 Wörter). Ausgewähltes Zitat: „Today, hundreds of billions of websites preserved at the Internet Archive alone is more archival information than scholars have ever had access to.“

Option 2

Schauen Sie sich die beiden Videos an und lesen Sie die zwei untenstehenden Blogbeiträge. Notieren Sie dann sowohl positive wie auch potenziell problematische Aspekte der Nutzung sozialer Medien durch HistorikerInnen.

Videos:

  1. Journalist/Schriftsteller John Birmingham auf der Website des „Born Digital“-Programms der National and State Libraries of Australia (9 Min.). Ausgewähltes Zitat: „All of that stuff, of which we don’t really think about, because it’s like the air around us, that’s HISTORY!“
  2. Historikerin Rebecca Huntley auf der Website des „Born Digital“-Programms der National and State Libraries of Australia (3:30 Min.). Ausgewähltes Zitat: „Reflecting now on my life, and the documents in my life, a lot is not written down.“

Artikel:

  1. Is Social Media Good for History?. History Today 70, Nr. 2, 2. Februar 2020 (Englisch, 1’480 Wörter). Ausgewähltes Zitat: „In a Twitter thread last June, curator Sara Huws wrote of her concern that the histories she tweeted from a Welsh museum account got more attention if she implied they’d been suppressed.“
  2. Caroline Muller und Frédéric Clavert, „Scholarly conversation on Twitter“, Acquis de conscience, 25. März 2021 (Englisch, 4’237 Wörter). In diesem Blogbeitrag befassen sich die beiden AutorInnen mit den Vorurteilen von HistorikerInnen gegenüber sozialen Medien. Ausgewähltes Zitat: „The social networking service Twitter suffers from a bad reputation in the academic world and, more broadly, among those who do not use it.“

Schreiben Sie, basierend auf Ihren eigenen Gedanken, sowie denjenigen der HistorikerInnen mit denen Sie sich soeben auseinandergesetzt haben, einen kurzen Aufsatz von ca. 500 Wörtern. Begründen Sie wann Ihres Erachtens ein Ereignis, eine Erfahrung oder ein Artefakt “historisch” wird und was dies für die Beziehung zwischen HistorikerInnen und sozialen Medien bedeutet. [Use the space in your answer form. - This is not in online version ] (Tipp: Denken Sie dabei auch an die Verbreitung früherer Massenmedien wie Radio, Telefon, Film oder Fernsehen und welche Art von Quellen diese hervorgebracht haben.)

Empfehlungen Lektüre/Videos

Universität Tartu. „How does the past become history?“. History on Screen. Letzter Zugriff: 31. Dezember 2024. Website-Link: https://ajalugu.haridusekraanil.ee/en/theoretical/time-together/how-does-the-past-form-the-history